Untersturmführer Gebhardt: August Diehl
Filmographie, "Diehl zu seiner Rolle"

 

Trotzdem glaube ich, dass ein Schauspieler nicht Wissenschaftler sein muss oder so katholisch wie ein gläubiger Mann. Er glaubt selbst an sehr viele Sachen, ohne religiös zu sein und das kann man sehr gut einbringen, um jemanden glaubhaft darzustellen, der an eine Sache glaubt. Gebhardt, meine Rolle, hat ein ganz starkes Glaubensproblem. Er ist in dem Sinn ein Gläubiger, als dass er stark zweifelt, ohne das nach außen dringen zu lassen, ohne das zuzulassen. Vielleicht braucht er Kremer als Erleichterung, als eine Art Ablass. Wenn ich mir die Figur Gebhardt anschaue, ist das jemand, der für sein Alter auf einem sehr hohen Posten sitzt - auch bei den Nationalsozialisten ungewöhnlich - der in Abbé Kremer eine Chance sieht, auf den er auch sehr neugierig ist. Erstens aus theologischen Gründen, aber auch aus menschlichen Gründen. Mit ihm tritt er in eine Auseinandersetzung, die ihn eigentlich von einem verdrängten Schuldgefühl befreien soll.





-------------------------------------- Cast & Crew


 

Was die Judas-Frage betrifft, seine Ausführung darüber, dass die Kreuzigung ohne Judas gar nicht stattgefunden hätte und dass Judas nicht von Gott verworfen wurde, sondern ein Zahnrad in der ganzen Geschichte ist - das klingt für mich viel bildhafter und wahrscheinlicher, als zu sagen, Judas ist ein Verräter gewesen. Man kann den Gedanken weiterspinnen: Wenn Judas Jesus nicht verraten hätte, gäbe es dann überhaupt das Christentum?

Das ist alles miteinander verstrickt. Gebhardt denkt, jemandem gegenüber zu sitzen, der in seinem Glauben schon angeknackst ist, weil er einmal etwas getan und jemandem anderen geschadet hat, um im Lager zu überleben.




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