Prof. Jürgen Haase (Produzent)
Biographie, Filmografie, "Ein Plädoyer für den Film"

 

Prof. Jürgen Haase: "Ein Plädoyer für den Film"

Im Jahr 1996 las ich auf Anregung des damaligen Direktors des Luxemburger Worts, der größten Tageszeitung Luxemburgs, Dr. André Heiderscheidt, das Tagebuch des Jean Bernard, "Pfarrerblock 25487". Ein unsentimentaler Bericht über den KZ-Aufenthalt des Priesters Jean Bernard in Dachau im berüchtigten Pfarrerblock, in dem ca. 3.000 Priester aus ganz Europa während des Naziterrors inhaftiert waren. Dabei fiel mir auf, dass dieser KZ-Aufenthalt von einem KZ-Urlaub unterbrochen war, der es Jean Bernard ermöglichte, in sein Heimatland Luxemburg vorübergehend zurückzukehren. Dieser war allerdings mit der Auflage verbunden, dass bei seiner Flucht, das heißt bei seiner Nicht-Rückkehr ins KZ, seine Luxemburger Glaubensbrüder hingerichtet würden.
Eine fürchterliche Hypothek. In seinem Tagebuch nimmt dieser KZ-Urlaub nur einen kleinen, kaum wahrnehmbaren Raum ein. Was geschah in diesen so genannten Urlaubstagen? Was war der eigentliche Grund, einem KZ-Häftling Urlaub zu gewähren?




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Historisch gesehen gibt es keine eindeutigen Belege für das, was in den neun Tagen in Luxemburg geschah. Dieser Gesichtspunkt, der einen "freien Raum" darstellte, war ausschlaggebend für mich, eigene Überlegungen anzustellen, was wohl gewesen sein könnte. Hier lag die Chance neben den historischen und politischen Erkenntnissen ein menschliches Drama ergänzend fiktional zu kreieren. Was wäre, wenn? … lautete die Frage. Was wäre, wenn man selbst in einer existenziellen, lebensbedrohlichen Situation sich befände? Welche Auswirkungen ergäben sich für das eigene Leben, welche für die Familie, die Glaubensbrüder, die Kollegen? Und: Wie ist es um die eigene Glaubwürdigkeit, den eigenen Standpunkt bestellt? Kann man in schwierigen Situationen auf Hilfe von außen hoffen, oder muss man am Ende eine eigene Entscheidung fällen? Diese Fragen warfen die neun Tage auf, denen man sich selbst gerade aus heutiger, gegenwärtiger Sicht in einer komplizierten Welt nicht entziehen kann und darf.
Deshalb aus meiner Sicht dieser Film.