Abbé Henri Kremer: Ulrich Matthes
Biographie, Filmographie, "Matthes zu seiner Rolle"

  Natürlich kennt man die Eckpunkte. Bezogen auf den Film wusste ich aber nicht viel über die Existenz eines Pfarrerblocks in Konzentrations-lagern. Ich bin kein gläubiger Mensch, habe mich aber wieder in die Bibel hineingelesen, was eine sehr schöne Erfahrung war.

Die Judas-Problematik des Films spielte eine Rolle. Einmal habe ich einen ganzen Abend bis in die Nacht hinein die Bibel gelesen, weil ich gar nicht mehr aufhören konnte: Über die Beschäftigung mit der Rolle, das Phänomen Glauben wieder an mich heran zu lassen. Der Beruf des Schauspielers zwingt permanent dazu, Dinge, die mit einem selbst erst mal gar nichts zu tun haben, in sich hineinzulassen und zwar möglichst intensiv. Ich selbst habe das als eine Form der Konzentration, Stille und Innenschau empfunden, verstärkt im Sinne der Religiosität.






-------------------------------------- Cast & Crew


  Als Schauspieler wird man, wenn man weiß, dass man eine bestimmte Rolle spielt, extrem porös für alle möglichen Eindrücke, die auf einen einströmen und bezieht letztendlich alles, was man erlebt und wahrnimmt, in gewisser Weise auch auf die Rolle, mit der man sich beschäftigt.

Über das Thema Schuld oder Verantwortung denke ich immer nach. Zwei Begriffe, die sehr weit auseinander liegen können, aber auch ganz dicht beieinander, was das Thema Nazizeit angeht. Bezogen auf Kremer weiß ich gar nicht, ob er sich schuldig gemacht hat, als er das Wasser getrunken hat. Vielleicht hat er sich nicht schuldig gemacht, einfach weil er überleben wollte und das ist ein humaner Impuls, dass darin vielleicht nicht wirklich Schuld bestand. Er glaubt, wie der Film zeigt, dass das für ihn als gläubigen Katholik ein großes Thema ist.



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